Beste Regie Fiktion
Rick Ostermann für „Hundertdreizehn“
Sechs Folgen, sechs Schicksale und ein Busunglück, das sie miteinander verbindet: Rick Ostermann hält die vielschichtige Erzählung von „Hundertdreizehn“ mit sicherer Hand zusammen. Jede Episode erhält ihre eigene Dynamik, zugleich bewahrt die Serie eine klare erzählerische Geschlossenheit. Rückblenden, parallele Handlungsstränge und wechselnde Perspektiven fügt Ostermann präzise zu einem Gesamtbild zusammen, das sich erst nach und nach erschließt. Trotz der komplexen Erzählstruktur bleibt seine Regie stets nah an den Figuren und verleiht ihren Geschichten emotionale Präzision.
Beste Kamera Fiktion
Philip Peschlow für „Die Nibelungen – Kampf der Königreiche“
Die viereinhalbstündige Nibelungen-Serie besticht vor allem durch ihre atmosphärischen Bilder. Philip Peschlow fängt die unterschiedlichen Stimmungen optimal ein, wenngleich ein nicht unerheblicher Teil der Handlung bei spärlicher Beleuchtung spielt. Opulente Landschaftsaufnahmen und hautnah begleitete Schlachtszenen sorgen bei aller düsteren Grundstimmung für optischen Abwechslungsreichtum. Zudem bringen Großaufnahmen während der Dialoge die ausdrucksstarken Darsteller:innen perfekt zur Geltung.
Bester Fernsehfilm / Mehrteiler
„Die Nichte des Polizisten“ mit Johannes Zirner
Die junge Polizistin Rebecca wird als verdeckte Ermittlerin im Kampf gegen Drogen- und Waffenhandel eingesetzt. Dabei entdeckt sie Missstände in den eigenen Reihen und gerät zunehmend unter Druck. „Die Nichte des Polizisten“ erzählt eine fiktionale Geschichte, die vom wahren Mordfall Michèle Kiesewetter inspiriert ist. Dabei überzeugt der hervorragend besetzte Film nicht nur als spannender Polizei-Krimi, sondern auch als gesellschaftliche Studie über Themen wie Machtmissbrauch und Rechtsextremismus.
„Tatort – Dunkelheit“ mit Melika Foroutan
Bei der Wohnungsauflösung eines alten Mannes entdeckt dessen Tochter menschliche Überreste. Die Ermittlungen führen Maryam und Hamza zu weiteren ungelösten Fällen mit derselben Handschrift. „Tatort – Dunkelheit“ basiert auf realen Gewalttaten des sogenannten „Hessen-Rippers“. Da die Morde bereits Jahre zurückliegen, rücken besonders die Opfer und ihre Angehörigen in den Mittelpunkt: Sie bekommen ein Gesicht und eine Geschichte. Mit behutsamer Inszenierung, dichter Atmosphäre und dem entfaltet der Cold Case eine besondere Sogwirkung.
Beste Drama-Serie
„Hundertdreizehn“, Regie: Rick Ostermann, mit Friederike Becht, Vladimir Korneev und Maeve Metelka
113 Personen sind direkt oder indirekt betroffen, wenn ein Mensch im Straßenverkehr tödlich verunglückt. Die Serie befasst sich mit eben diesen Schicksalen, nachdem e Reisebus auf die Gegenfahrbahn einer innerstädtischen Hochstraße gerät und seine Passagiere mit in die Katastrophe reißt. Jede der sechs Folgen beleuchtet die Geschichte einer anderen Person, die mit dem schweren Unfall verbunden ist. Mit kraftvollem, charaktergetriebenem Storytelling fügt „Hundertdreizehn“ die Geschichten zu einem vielschichtigen Ensemble-Drama über Trauer, Schuld, Erinnerung und Widerstandskraft zusammen. So entsteht ein emotional dichtes Panorama darüber, wie ein Unglück weit über seine unmittelbaren Opfer hinauswirkt.
„Maxton Hall – Die Welt zwischen uns“ mit Damian Hardung
Mit Staffel 2 von „Maxton Hall – Die Welt zwischen uns“ geht die Gefühlsachterbahn um Ruby Bell und James Beaufort in die nächste Runde: Kaum scheint alles perfekt, stürzt ein familiärer Verlust James in eine tiefe Krise und er stößt Ruby schroff von sich. Die auf dem Roman „Save You“ basierende Staffel erzählt einfühlsam von Liebe, Verletzung und einem mühsamen Neuanfang. Zwischen großer Romantik und schmerzhaften Rückschlägen entwickelt die Serie ihre Figuren konsequent weiter und gewinnt dabei an emotionaler Tiefe.
„Die Nibelungen – Kampf der Königreiche“, Bildgestaltung: Philip Peschlow, mit Jannis Niewöhner, Dominic Marcus Singer und Alessandro Schuster
Dem Kinofilm „Hagen“ folgt die Serienfassung der auf Romanmotiven von Wolfgang Hohlbein basierenden Neuinterpretation der Nibelungensage. Und das düstere Heldenepos funktioniert auch über sechs Episoden mit rund viereinhalb Stunden Laufzeit bestens. Die Stärken des namhaft besetzten internationalen Casts kommen noch besser zur Geltung. Darüber hinaus überzeugen die „Nibelungen“ mit opulent gestalteten Landschaftsaufnahmen sowie spannenden und actionreichen Kampfsequenzen.
„Schattenseite“ mit Tanya Nguyen
An der Schule der 18-jährigen Nola taucht eine anonyme Online-Plattform auf, die private Chats, Fotos und Videos veröffentlicht. Damit stürzt das Leben der Jugendlichen ins Chaos, denn wer eine Enthüllung verhindern will, muss andere verraten, und plötzlich wird jedes Geheimnis zur Waffe. „Schattenseite“ verbindet Coming-of-Age- und Thriller-Elemente und erzählt eindringlich davon, wie junge Menschen in einer Welt permanenter Öffentlichkeit und allgegenwärtigem Konkurrenzdruck um Vertrauen, Zugehörigkeit und ihr soziales Überleben kämpfen – ein vielschichtiges Drama über soziale Kontrolle im digitalen Raum.
„Unfamiliar“ mit Samuel Finzi und Sina Martens
Die ehemaligen Top-Agenten Meret und Simon betreiben mitten in Berlin ein geheimes Safe House – bis ihre eigene Vergangenheit sie einholt. Plötzlich sehen sie sich mit Auftragskillern, russischen Agenten und anderen Widersachern konfrontiert. „Unfamiliar“ verbindet rasante Spionage-Action mit Beziehungsdrama und erzählt davon, wie alte Lügen eine Ehe und eine ganze Familie ins Wanken bringen. Zwischen Verfolgungsjagden, Verrat und ständig wechselnden Loyalitäten entsteht ein temporeiches Spiel um Vertrauen, Schuld und die Frage, wie gut man den Menschen an seiner Seite wirklich kennt.
Beste Comdy-Serie
„Achtsam morden“ mit Bastian Reiber
Rechtsanwalt Björn Diemel hat in der unterhaltsamen Mischung aus Krimi und Gesellschaftssatire wieder alle Hände voll zu tun, um seine eigenen kriminellen Machenschaften zu verschleiern. Dank seines Achtsamkeitscoachs hat er nun sogar einen ganz besonderen Weggefährten an seiner Seite – sein „inneres Kind“. Gerade das macht die zweite Staffel von „Achtsam Morden“ noch eine Spur skurriler als die erste. Darüber hinaus überzeugt das blendend aufgelegte Darsteller:innen-Ensemble wieder auf der ganzen Linie.
