„Play Auerbach!“ mit Samuel Finzi für den 51. Mülheimer Dramatikpreis nominiert

Die Mülheimer Theatertage haben auf einer live gestreamten Pressekonferenz ihre Nominierungen für den 51. Mülheimer Dramatikpreis und den KinderStückePreis bekanntgegeben. Das Festival findet in diesem Jahr vom 16. Mai bis 6. Juni 2026 statt.

Unter den 7 nominierten Stücken für den Dramatikpreis befindet sich auch „Play Auerbach!“ mit Samuel Finzi.

Der erfolgreiche Unternehmer Philipp Auerbach überstand Auschwitz. Er wurde 1945 in München von den Amerikanern als Staatskommissar für rassisch, politisch und religiös Verfolgte eingesetzt. Für viele war er eine Art Messias, der überlebenden Juden*Jüdinnen zur Ausreise nach Israel verhalf. Gleichzeitig wollte er jüdisches Leben in Deutschland wieder etablieren. Auerbach endete tragisch: Seine Behörde wurde geschlossen, ein Münchner Gericht verurteilte ihn 1952 wegen Korruption und Veruntreuung von Staatsgeldern. Er beging Suizid. Zwei Jahre später wurde er rehabilitiert. Und vergessen!. Der Autor und Regisseur Avishai Milstein destilliert mit schonungslos schwarzem Humor wahre und erfundene Begegnungen aus Auerbachs hart geprüfter Existenz und konfrontiert uns in seiner Erinnerungsrevue mit unserem eigenen Versagen und Vergessen. In einer näheren Zukunft, in der es so gut wie kein jüdisches Leben in Deutschland mehr gibt, aber eben auch keine Theater, probt eine Antisemitismusbeauftragte an einer ‚Auerbach-Gedenkrevue‘. Die Probe läuft aus dem Ruder, als der Hauptdarsteller Rafael Kuhn (Samuel Finzi) sich als Jude zu erkennen gibt und sich nicht an das für ihn vorgesehene Drehbuch halten will.

Samuel Finzi ist der Schauspieler Rafael Kuhn, der Philipp Auerbach spielen soll. Er hat durch eine Fernsehserie Bekanntheit erlangt, in der er einen Juden spielt. Eingesogen vom dem Skript der Antisemitismusbeauftragten verschwinden für ihn die Grenzen zwischen Realität und Fiktion. Wer ist Kuhn und wer ist Auerbach? Samuel Finzi zeigt in dem Singspiel sein schauspielerisches Talente und seine Musikalität. In der Begründung der Jury heißt es:

‚Kennen Sie Philipp Auerbach? Der Mann überlebte den Holocaust und wurde nach dem Krieg zum Staatskommissar für rassisch, religiös und politisch Verfolgte in Bayern ernannt. Als Idealist versuchte er, jüdisches Leben wieder in Deutschland zu etablieren. Nach seinem Suizid 1952 geriet er in Vergessenheit, und dort bliebe er wohl, hätten die Münchner Kammerspiele nicht bei dem Israeli Avishai Milstein ein Stück über ihn bestellt. Milstein, Jahrgang 1964, ist ein alter Theaterhase. Er hat in München studiert und blickt auf das Verhältnis der Deutschen zu den Juden mit bösem Sarkasmus. So ist ‚Play Auerbach!‘ kein Dokutheater, sondern eine Revue zum Thema Erinnerungskultur. Sie kommt als räudig komisches Laienspiel voller Fettnäpfchen daher – und geht ans Eingemachte.‘

Christine Dössel, Auswahlgremium Stücke 2026

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